Heldengeschichten

Warum genau DEINE Geschichte es wert ist, erzählt zu werden.

Es war einmal ein Held oder eine Heldin.

Wenn man es genau betrachtet, sind wir alle Helden. Wir wurden geboren, haben bis heute überlebt, meistern jeden Tag unzählige Aufgaben, die von knifflig bis zu fast unmöglich reichen.

Wir springen über unsere größten Ängste, schaffen es aus den tiefsten Tiefen wieder ans Licht zu kommen, und denken auch im größten Chaos noch daran, den Nachbarn zu grüßen. 

Wir sind alle Helden! Jeden Tag.

 

Und jeder Held hat seine ganz eigene Geschichte. Doch manchmal ist uns gesagt worden, dass wir den Mund halten sollen, still sein sollen. Das wir jetzt nicht dran sind. Das mag in manchen Momenten richtig sein, und wir müssen auch nicht ununterbrochen von uns erzählen. 

 

Aber trotzdem ist jede Geschichte, die wir erleben und die uns beschäftigt, die wir vielleicht unbewusst immer und immer wieder durchleben, es wert erzählt zu werden. 

 

Ich hatte früher das Problem, dass ich dachte, ich hab gar nichts Wichtiges zu erzählen. Alles, was ich sage, ist ohne Tiefgang, ohne Mehrwert für jemand anders. Oder einfach nicht interessant.  Diese Geschichte hab ich mir selbst immer wieder erzählt, unbewusst, bis ich sie geglaubt habe. Gerade beginne ich damit, dass diese Vorstellung heilen darf. 

 

Welche Geschichten erzählst du dir bewusst oder auch unbewusst jeden Tag selbst? So oft, dass du felsenfest davon überzeugt bist, dass sie richtig sind und genauso stimmen? Das können gute Geschichten sein, aber oft sind es auch Geschichten, in denen wir uns selbst klein machen, uns den schwarzen Peter zu schieben, Andere in die Höhe loben, (wo sie vielleicht gar nicht hingehören) oder uns eine alte Schuld immer und immer wieder unter die Nase reiben und es nur noch schlimmer machen.

 

Wenn wir diese Geschichten die ganze Zeit mit uns herumschleppen und immer nur uns selbst erzählen, dann fehlt ein neutraler Zuhörer, der nickt, den Kopf schüttelt, der ab und an die Stirn runzelt, eine Frage stellt oder „Oh mein Gott, echt?“ dazwischen ruft und uns fragt, wie es weiter geht.

 

Wenn du beschließt, deine Geschichte jemand anderem zu erzählen, dann beginnt im selben Moment eine neue Geschichte und du beweist einen großen Heldenmut. Du öffnest dich einer anderen Person. Mit Worten, die dir am Herzen liegen, mit deinen ganz eigenen Gedanken und Erinnerungen. Mit deinen Wertvorstellungen, und dem Bild von der Welt, wie du sie dir vorstellst. 

 

Das ist nicht immer einfach. Viele Geschichten vergraben wir ja aus guten Gründen, in unserm Innersten, tief verborgen und mit drei Schlössern drum herum. 

 

Und wenn wir dann im Beisein eines Anderen diese Schlösser beginnen zu öffnen, eins nach dem Anderen, hoffen wir darauf, dass unser Gegenüber uns wohl gesinnt ist, uns aufmerksam zuhört, und in den richtigen Momenten sagt; „Hey, atme erstmal tief durch, bevor du weiter erzählst. Ich bin da. Ich hör dir zu. Lass dir Zeit“

 

Diese liebevollen Zuhörer sind aber nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Manchmal muss man ihnen mitteilen, was man sich als Geschichtenerzähler von seinem Publikum wünscht. Denn wir lernen leider nicht in der Schule, wie man jemand anderem bewusst, und mit Herz zuhört.  Doch wir können es alle lernen. Wir brauchen dazu nur Zeit, offene Ohren und einen offenen Geist.

 

Wenn du einem geliebten Menschen eine bestimmte, wichtige Geschichte erzählen möchtest, hast du vielleicht Angst davor, und das ist vollkommen normal, denn du weißt nicht, wie die Person darauf reagiert.

 

Vielleicht beruhigt es dich, wenn du deine Geschichte erst einmal schriftlich für dich formulierst. Schnapp dir einen Stift und erzähle dem Papier deine Geschichte. Es ist heilsam Worte für sich selbst zu finden, sich Zeit damit zu lassen. Und es ist ok, wenn dabei die ein oder andere Träne fließt, die Schrift hektisch und krakelig wird oder du dazwischen den Faden verlierst. Papier ist geduldig, heißt es so schön.

 

Und wir erlösen nicht nur uns selbst, wenn wir unsere Geschichten beginnen zu erzählen, sondern wir erlösen auch die anderen Personen in der Geschichte. Nicht nur wir selbst haben in diesen Geschichten festgesteckt, auch diese anderen Personen, die darin mit verstrickt waren. Lassen wir sie in Gedanken frei, damit auch sie neue Geschichten erzählen können und nicht mehr feststecken. Wir können einen neuen Blickwinkel auf diese Menschen werfen und beginnen sie mit anderen Augen zu sehen.

Manchmal heilen so Erinnerungen und seelische Wunden schon ein Stück beim Schreiben. Denn mit den Worten, die aufs Papier fließen, können sie sich aus deinem Kopf lösen. Sie bekommen sozusagen ein neues Zuhause. 

Vorher waren sie vielleicht noch sehr schwammig und unklar und jetzt bekommen sie Struktur und eine Form. So kann in deinem Kopf nach und nach Ordnung geschaffen werden und Platz für Neues entstehen. 

Und mit dieser neuen Klarheit kannst du deiner Geschichte eine Überschrift geben, sozusagen ein neues Mäntelchen verpassen und sie endlich greifbar machen.

 

Wenn du diesen Schritt gemeistert hast, und bereit bist, deine Geschichte jetzt jemand anders als dir selbst zu erzählen, kannst du dir einen Gesprächspartner suchen. 

Dieser Gesprächspartner kann ein Coach sein, oder ein guter Freund oder eine gute Freundin, vielleicht auch ein Familienmitglied.

Überlege dir vorher, was du von dieser Person erwartest, was du von ihr möchtest. 

Wenn du willst, dass sie dir aufmerksam zuhört, dann sag ihr das. Wenn du möchtest, dass sie dich aussprechen lassen soll, dann sag es ihr. Und wenn du möchtest, dass sie bis zum Schluss wartet, bevor sie etwas zu deiner Geschichte sagt, dann sag ihr auch das. Beginn schon vor der Geschichte mit einem guten Anfang. 

 

Gib deinen Geschichten ein neues Zuhause. 

 

Alles Liebe

Anna